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Das Modewort PROVOKATION im Verhör

PSWPosted by PSW Wed, March 18, 2015 15:10:28

Liebe Anwesenden, wir haben uns zu dieser Versammlung eingefunden, um über das mögliche Vergehen des Angeklagten zu verhandeln.

Wie wir bereits des öfteren feststellen mussten scheinen die Worte "Kunst" und "Provokation" aktuelle Modebegriffe zu sein und werden somit meist sehr leichtfertig verbreitet.

In Zeiten wo, wahrscheinlich sogar der tägliche Gang auf die Porzellanschüssel als "Kunst" deklariert werden kann, verwundert es mich nicht, daß auch das Wort "Provokation" oftmals eingesetzt wird, um die eigenen Vorhaben zu rechtfertigen.

Wie immer spiegelt dieser Artikel natürlich nur meine eigenen Ansichten zu diesem Thema wieder.


Lass uns mal provozieren!

Wie oft liest man in Ausschreibungen von Fotografen oder auch von Modellen, daß der Wunsch zu provozieren aufkommt in Form von fototechnischen Umsetzungen.
Versucht wird dies mit allen möglichen Inhalten, jedoch wirkt vielleicht 1% dieser Inhalte auch wirklich (!!!) provozierend, da in den meisten Fällen schlicht weg auf Nacktheit gesetzt wurde.
Das ist natürlich nichts schlimmes, jedoch braucht man solche Scenen nicht unter dem "Deckmantel" der "Provokation" zu verstecken, da dies ganz normale Scenen darstellen.


Wie jetzt?

Als Erklärung dazu; Nacktheit alleine stellt für mich NIE ein provozierendes Mittel dar, gleich wie nackt es ist.
Selbst sehr offenherzige Umsetzungen empfinde ich als, in keinster Weise, provozierend.
Dieses so tolle Wort, nach dem viele gerne streben, haben nur ein paar wenige wirklich auch sehr gut getroffen.
Provokation in bildtechnischen Umsetzungen, geht für mich ausschliesslich von der abgebildeten Gestik, Pose und Haltung, oder von dem generellen Inhalt der Scene aus, jedoch niemals von der dargestellten Nacktheit.


Eine kleine Veranschaulichung dessen.

Gehen wir einmal davon aus, daß ich ein Fotograf wäre und eine Akt-Umsetzung anstreben würde.
Das Licht ist gesetzt, die Scene vorbereitet und es geht an die Umsetzung meiner Scene.

Wenn ich nun mein Model anweisen würde, beispielsweise die Beine zu spreizen, sich hinterrücks hin zu legen, einen sinnlichen Gesichtsausdruck aufzusetzen und ich diese Scene so festhalte, so wirkt sie auf mich in keinster Weise provozierend, selbst wenn sie noch so freizügig umgesetzt wurde.

Jetzt spulen wir das Band noch einmal zurück und ich fange an, meine Scene erneut zu setzen.

Ich weise also mein Model an sich mit gespreizten Beinen auf die Bettkante zu setzen, den Rücken durchzudrücken, den Kopf anzuheben und mir den Mittelfinger entgegen zu halten.

Jetzt bekommt das ganze aufgrund seiner Aussage durchaus einen provozierenden Charakter, obwohl die Scene ein und dieselbe ist.

So haben wir nichts verändert, sondern lediglich unser Model angewiesen eine andere Haltung einzunehmen.


Ein Urteil

Wir leben in Zeiten, wo wir das Mittelalter längst hinter uns gelassen haben und ich denke daß Nacktheit bzw der menschliche Körper spätestens seit Leonardo Da Vinci jedem bekannt sein sollte.
Warum also Nackheit, auch wenn sie noch so freizügig dargestellt wird, als provozierend angesehen werden soll, ist mir schleierhaft.
In den meisten Fällen macht es auf mich stets den Eindruck daß durch die Verwendung des Modeworts das eigene Vorhaben gerechtfertigt werden muss.

Wie oben schon erwähnt, geht Provokation für mich von der Gestik, Haltung und Pose aus, jedoch in keinster Weise von dargestellter Nacktheit.

In solch aufgeklärten Zeiten wie unserer kann ich jedem, der eine akt-technische Umsetzung anstrebt, nur empfehlen, klar zu definieren, was er oder sie vorhat, anstatt sich unter den schützenden Mantel von Ausreden oder Aushängeschildern zu flüchten.



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