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Die Sache mit den Instagram Filtern

FotografiePosted by PSW Sun, November 29, 2015 12:41:03


Der heutige Blogeintrag ist nicht maßgeblich nur auf meinem Mist gewachsen, sondern basiert auf einer kleinen Unterhaltung, welche ich mit einem guten Kollegen, im Laufe eines Studioabends in Köln geführt habe.

Besten Dank an dieser Stelle schonmal an Frank Metzemacher (Lichtreim) für den Denkanstoß.

In dieser Unterhaltung ging es um das allseits beliebte Thema "Instagram" und dessen umfassende Möglichkeiten, der digitalen Bildaufbereitung.

Zum Nachdenken angeregt hat mich da der Bericht, jenes Kollegen (hauptsächlich in der Hochzeitsfotografie tätig), welcher mir davon berichtete, daß er letztens eine Anfrage eines Pärchens erhalten habe, welche sich Hochzeitsbilder im "Instagram Stil" wünschten.

Anfangs als Spaß abgetan, habe auch ich mich köstlich darüber amüsiert, nach ein wenig Bedenkzeit, jedoch hat mich eher die Frage nach dem "Warum" ein wenig gewurmt.

Der "schönste Tag im Leben"......warum möchte man diesen besonderen Tag im Leben im "Instagram Stil" festgehalten haben.

Die Instagram Filter sind wahrlich keine Meisterleistung, nach heutigen Standards, aber was finden Leute daran so toll?

Nach einigen Überlegungen sind mir hier etliche paralelen zu Workflows aufgefallen, welche sich im 3D Bereich schon seit längerem durchgesetzt haben und auch ich verwende diese, nicht nur für 3D Artworks, sondern auch für digitale Bildbearbeitungen.

Die Instagram Filter versuchen (meist eher schlecht, als recht) das Bildgefühl alter Analog, oder sogenannter Toy-Cams zu emulieren.

Wir erinnern uns, das waren diese alten Urlaub-plastik-einweg-kameras.

In der heutigen Zeit, werden die Kameras immer besser und die Bildansprüche immer moderner und dementsprechend hochwertiger.

Mittlerweile ist es kein Problem, selbst als Privatperson, Aufnahmen zu erhalten, welche auf Magazin-Niveau liegen.

Der Stil alter Kameras ist also ein "erinnernder" bzw sehr dokumentarisch wirkender Bildlook.

Viele Leute denken an die alten Tage aus ihrer Kindheit zurück, beim Betrachten dieser Bilder, und genau das ist es, was diesen Stil für Leute, wenn wir mal nicht von professionellen Bildstandards ausgehen, so interressant macht.

Macht man eine schöne Outdoor-Gegenlicht-Aufnahme und unterlegt diese mit einer gewissen "Vintage-Optik" so ruft dies in den Köpfen der meisten Leute stets einen gewissen Memoiren-Effekt aus.

Wenn wir nun, mit diesem Hintergrundwissen, sogar noch einen Schritt weiter gehen, können wir als Digital Artisten oder auch CG Artisten dieses Wissen zu unseren Vorteilen nutzen.

Bei Composings beispielsweise, gehe ich auch stets hin und bleiche bzw überlagere die Schwarzwerte ein wenig, damit das Bild generell ausgewaschener wirkt.

Ebenso füge ich teilweise Lensflares, Dust, und Lichtüberlagerungen, Bloom und Lens Distortions ein.

Ich könnte hier eine (technisch) perfekte Arbeit abliefern, jedoch wäre das extrem kontraproduktiv, wenn ich Realismus und einen einheitlichen Look erhalten möchte und für den Betrachter, die Grenzen zwischen Manipulation und Foto gänzlich verwischen möchte.

Auch bei gerendertem Bildmaterial umfasst mein Compositor Setup, stets klassische Dinge, wie eine Vignette, das Hinzufügen von chromatischen Aberationen, Bloom und Lichtüberlagerungen, sowie auch das Überlagern mit Texturen und das Auswaschen der Schwarzbereiche.

Bewusst gehe ich am Ende meines Bearbeitungs- bzw Renderprozesses also hin und baue "Bildfehler" in meine Artworks mit ein um den Realismus in meinen Kompositionen anzuheben.

Wenn es um Stockfotografie geht, wollen wir natürlich ein technisch sauberes Bild haben, allerdings wird jeder sehr schnell feststellen, daß die Realität nie so aussieht, wie auf den typischen Stock- oder Firmenproduktbildern (Mc Donalds, wir verstehen uns ;-) ).

Wenn wir jedoch Bildkompositionen haben und einen realitätsnahen, einheitlichen Stil dort erhalten wollen, macht es durchaus Sinn, einige Bildfehlerchen mit einzubauen.

Es müssen nicht die (zugegebenermaßen schlechten) Instagram Filter sein, allerdings erhalten wir in jedem Compositor, der bevorzugten 3D Software, oder auch in Photoshop, ganz ähnliche Funktionen in besserer Qualität, um eine solche "erinnernde" Optik zu erzielen und die Grenzen zwischen Foto und Manipulation noch weiter zu verwischen.



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